
Man spricht auch von aufgabenspezifischen Dystonien, unter diesen ist der Schreibkrampf die häufigste Dystonieform (ca. 7 Betroffene pro 100.000 Einwohner).
Andere aufgabenspezifische Beschwerdebilder sind u.a. der "Musikerkrampf" ( bei Pianisten oder Streichern) oder Dystonien die beim Tippen am Computer oder auch bei Ausübung
bestimmter Sportarten vorkommen.
Der Schreibkrampf wird nach Sheehy und Marsden in drei Formen eingeteilt:
Je nach klinischem Beschwerdebild wird der Schreibkrampf nach den betroffenen Muskelgruppen beschrieben:
Meist treten die Verkrampfungen gleich zu Beginn des Schreibvorganges auf, seltener auch erst nach längerem Schreiben. Teilweise können Betroffene durch eine andere Stifthaltung
oder Benutzung der anderen Hand zum Schreiben eine Kompensation erreichen, jedoch tritt der Schreibkrampf im Laufe der Zeit auch bei 20 % der Betroffenen an der primär nicht betroffenen
Hand auf.
Beim Schreibkrampf kommt es zu Muskelkontraktionen von antagonistisch wirkenden Muskeln ("Gegenspieler") am Unterarm, teilweise sind aber auch Muskeln am Oberarm und/oder der Schulter
mitbeteiligt.
Die effektivste Behandlungsform des Schreibkrampfes ist die intramuskuläre Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A, jedoch ist das Ergebnis nur in etwa der Hälfte aller Behandelten
zufriedenstellend. Dies liegt sicherlich an der teilweise komplexen Symptomatik mit Einbeziehung verschiedener Muskelgruppen und an der relativ schmalen therapeutischen Breite einer Botulinumtoxin
A Therapie an der oberen Extremität. D.h. bereits im unteren bis mittleren Dosisbereich können funktionell einschränkende Lähmungen der Hand auftreten. Im Umkehrschluss
bedeutet dies, dass besonders umschriebene Schreibkrämpfe von einer entsprechenden Therapie profitieren.
Vor den Injektionen erfolgt eine genaue Analyse von Schriftproben, um die hauptsächlich betroffenen Muskelgruppen herauszuarbeiten. Die Injektion erfolgt dann zur genauen Lokalisation der zu
behandelnden Muskeln und um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden, ausschließlich unter elektromyografischer Kontrolle. Es wird empfohlen, die Therapie zunächst mit
einer niedrigen, möglicherweise noch nicht wirksamen Dosierung zu beginnen. Auch hier sollte der übliche Abstand von 3 Monaten zwischen den Injektionen eingehalten werden.
Ergänzend können auch ergotherapeutische Übungsbehandlungen angewandt werden um eine Verbesserung der Funktionalität zu erreichen.
Als Nebenwirkungen der Botulinumtoxintherapie können funktionell behindernde Lähmungen von injizierten Handmuskeln aufgrund einer zu hohen Initialdosis auftreten. Durch Diffusion des Toxins können außerdem benachbart liegende Muskelgruppen geschwächt werden. Dieses Risiko lässt sich durch vorsichtiges Aufdosieren, die Verteilung der Dosis auf mehrere Injektionsstellen in den einzelnen Muskeln, eine Reduktion des injizierten Volumens und die Injektion unter EMG- Kontrolle reduzieren.